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Wissenschaftliche Studien zum Fliegenpilz:

Gegen Angst, Stress und Phobien

Muscimol, der Hauptwirkstoff des Fliegenpilzes (Amanita muscaria), ist ein GABA-A-Rezeptor-Agonist und könnte bei der Behandlung von Angststörungen und Phobien helfen, indem es Gehirnregionen beeinflusst, die fĂŒr die Emotionsregulation zustĂ€ndig sind.

Studien haben gezeigt, dass Muscimol die Löschung von AngstgedĂ€chtnissen unterstĂŒtzt und somit dabei hilft, erlernte Ängste abzubauen. Besonders in der Amygdala verringert Muscimol die Angstreaktionen, wĂ€hrend es im prĂ€frontalen Kortex die langfristige Erhaltung dieser Effekte unterstĂŒtzt.

Diese Eigenschaften machen Muscimol zu einem vielversprechenden Ansatz fĂŒr die Behandlung von Angststörungen, da es gezielt die neuralen Mechanismen anspricht, die fĂŒr die Entstehung und das Aufrechterhalten von Ängsten verantwortlich sind.

Akirav, I., Raizel, H., & Maroun, M. (2006). Enhancement of conditioned fear extinction by infusion of the GABA_A agonist muscimol into the rat prefrontal cortex and amygdala. European Journal of Neuroscience, 23(4), 758–764. https://doi.org/10.1111/j.1460-9568.2006.04603.x

 

Eine weitere Studie zeigt, dass die Gabe von Muscimol im Vorfeld die StĂ€rke der Angstreaktion signifikant reduziert. Besonders interessant ist, dass Muscimol auch den Lernprozess von Angstreaktionen beeinflusst und dabei die AusfĂŒhrung der Angstreaktion erfolgreicher mindert als das Erlernen der Angst selbst. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Muscimol potenziell hilfreich sein könnte, um Ängste und Phobien zu lindern, indem es die IntensitĂ€t von Angstreaktionen verringert.

Helmstetter, F. J., & Bellgowan, P. S. (1994). Effects of muscimol applied to the basolateral amygdala on acquisition and expression of contextual fear conditioning in rats. Behavioral Neuroscience, 108(5), 1005–1009.https://doi.org/10.1037/0735-7044.108.5.1005

 

Muscimol hat eine beruhigende Wirkung, die durch die Aktivierung der GABA-Rezeptoren im Gehirn vermittelt wird. Eine Studie zeigt, dass Muscimol die angstlösende Wirkung von Benzodiazepinen verstÀrken kann. 

Cananzi, A. R., Costa, E., & Guidotti, A. (1980). Potentiation by intraventricular muscimol of the anticonflict effect of benzodiazepines. Brain Research, 196(2), 447–453. https://doi.org/10.1016/0006-8993(80)90408-4

 

Eine Studie zeigt, dass Muscimol beruhigende und angstlösende Effekte hat. Zudem wurde festgestellt, dass Muscimol die GedĂ€chtniskonsolidierung unterstĂŒtzt, insbesondere unter stressigen Bedingungen wie Hypoxie (Sauerstoffmangel).

Zudem verbessert es die Erinnerung und das Lernen, indem es die Informationsverarbeitung und -speicherung im Gehirn fördert. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Muscimol potenziell bei der Behandlung von AngstzustÀnden und GedÀchtnisproblemen von Nutzen sein könnte, besonders in stressbelasteten Situationen.

Oksztel, R., Car, H., & Wisniewski, K. (2002). Muscimol changes hypoxia-induced impairment of behavior in rats. Polish Journal of Pharmacology, 54(5), 423–432. https://www.researchgate.net/profile/Halina-Car/publication/10893489_Muscimol_changes_hypoxia-induced_impairment_of_behavior_in_rats/links/02e7e517d3df17c9af000000/Muscimol-changes-hypoxia-induced-impairment-of-behavior-in-rats.pdf

 

Eine Studie zeigt, dass Muscimol die Herzfrequenz und den Blutdruck bei Stress durch die Hemmung von neuronaler AktivitÀt im dorsomedialen Hypothalamuskern (DMH) signifikant reduzieren kann. Dies deutet darauf hin, dass Muscimol potenziell zur Behandlung von stressbedingten kardiovaskulÀren Reaktionen genutzt werden könnte, insbesondere bei der Regulierung von Stressreaktionen auf das Herz-Kreislaufsystem. Die Ergebnisse legen nahe, dass Muscimol in spezifischen Hirnregionen wie dem DMH zur Linderung von stressbedingten physiologischen Reaktionen beitragen könnte.

Stotz-Potter, E. H., Willis, L. R., & DiMicco, J. A. (1996). Muscimol acts in dorsomedial but not paraventricular hypothalamic nucleus to suppress cardiovascular effects of stress. Journal of Neuroscience, 16(3), 1173–1179. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.16-03-01173.1996

SchlafquailitÀt

Muscimol fördert erholsamen Schlaf, indem es die Delta-Wellen im Non-REM-Schlaf verstĂ€rkt, die mit tiefem, regenerativen Schlaf verbunden sind. Schlaf ist wichtig fĂŒr körperliche Erholung, Zellreparatur und das Immunsystem. Zudem wird die Sigma-Wellen-AktivitĂ€t erhöht, die mit der Konsolidierung von GedĂ€chtnisinhalten und geistiger Erholung zusammenhĂ€ngt. Im Vergleich zu Benzodiazepinen, die oft den REM-Schlaf verringern, fördert Muscimol sowohl tieferen Schlaf als auch REM-Schlaf, was eine umfassendere körperliche und geistige Erholung unterstĂŒtzt.

Lancel, M., Crönlein, T. A. M., & Faulhaber, J. (1996). Role of GABA_A receptors in sleep regulation: Differential effects of muscimol and midazolam on sleep in rats. Neuropsychopharmacology, 15(1), 63–74. https://doi.org/10.1016/0893-133X(95)00157-9

Euphorie durch Serotonin

Muscimol hat das Potenzial, die Serotoninkonzentration im Gehirn zu steigern, Ă€hnlich wie bei anderen magischen Pilzen. Diese Wirkung beruht auf einer VerĂ€nderung des Serotoninumsatzes, was zu einer nachhaltigen Erhöhung des Serotoninspiegels fĂŒhrt, ohne die typischen negativen Effekte wie Erschöpfung oder „Hangover“. Diese Eigenschaft macht Muscimol zu einer vielversprechenden Option fĂŒr die gezielte Modulation des Serotoninsystems, was in Anwendungen zur Verbesserung der Stimmung oder Förderung des allgemeinen Wohlbefindens von großem Vorteil sein könnte.

König-Bersin, P., Waser, P.G., Langemann, H. et al. Monoamines in the brain under the influence of muscimol and ibotenic acid, two psychoactive principles of amanita muscaria. Psychopharmacologia 18, 1–10 (1970). https://doi.org/10.1007/BF00402378

Schmerzlinderung

Eine Studie deutet darauf hin, dass Muscimol schmerzlindernde Effekte durch die Aktivierung von GABA-Rezeptoren erzielt. Dies könnte fĂŒr Schmerzpatienten von Interesse sein, da Muscimol möglicherweise eine effektive Option zur Schmerzbehandlung darstellt.

Sawynok, J., & LaBella, F. S. (1982). On the involvement of GABA in the analgesia produced by baclofen, muscimol and morphine. Neuropharmacology, 21(5), 397–403. https://doi.org/10.1016/0028-3908(82)90022-3

 

Eine Studie deutet darauf hin, dass Muscimol als GABAA-Agonist eine schmerzlindernde Wirkung im RĂŒckenmark haben könnte, im Gegensatz zu einem Benzodiazepin. Es wurde festgestellt, dass Muscimol in bestimmten Dosierungen die IntensitĂ€t von Schmerzen verringert, indem es die GABAA-Rezeptoren aktiviert. Diese schmerzlindernde Wirkung könnte Muscimol zu einer vielversprechenden Option fĂŒr die Behandlung von Schmerzsymptomen machen.

Intrathecal baclofen and muscimol, but not midazolam, are antinociceptive using the rat-formalin model.

Dirig, D. M., Salami, A., Thomas, D. A., Wu, J., & Yaksh, T. L. (1995). Intrathecal baclofen and muscimol, but not midazolam, are antinociceptive using the rat-formalin model. The Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics, 275(1), 219–227. https://jpet.aspetjournals.org/article/S0022-3565(25)12039-9/fulltext (Abrufdatum: 1. April 2025)

 

Eine weitere Studie deutet auf eine schmerzlindernde Wirkung von Muscimol hin. Als GABAA-Rezeptor-Agonist wirkt es durch Modulation des zentralen Nervensystems und wird zunehmend fĂŒr die Linderung von neuropathischen Schmerzen erforscht. Muscimol zeigt eine schnelle, jedoch kurzzeitige Wirkung und könnte Potenzial fĂŒr den gezielten Einsatz bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen bieten.

Hosseini, M., Karami, Z., Janzadenh, A., Jameie, S. B., Haji Mashhadi, Z., Yousefifard, M., & Nasirinezhad, F. (2014). The effect of intrathecal administration of muscimol on modulation of neuropathic pain symptoms resulting from spinal cord injury: An experimental study. Emergency (Tehran, Iran), 2(4), 151–157. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4614567/

Umwandlung von IbotensÀure zu Muscimol

Der frische Fliegenpilz enthĂ€lt Muscimol und IbotensĂ€ure. Muscimol ist hauptsĂ€chlich fĂŒr die psychoaktive Wirkung zustĂ€ndig.
Eine wichtige Überlegung bei der Zubereitung von Amanita muscaria ist die Reduktion von IbotensĂ€ure, die in rohem Fliegenpilz vorkommt und toxisch wirken kann.

IbotensÀure wird durch Erhitzen oder Trocknen in Muscimol umgewandelt, das die psychoaktive Wirkung des Pilzes vermittelt und wesentlich weniger toxisch ist. Der Umwandlungsprozess von IbotensÀure zu Muscimol ist erhöht durch Trocknung, wodurch Nebenwirkungen verringert werden. Eine fundierte Methode zur sicheren Zubereitung umfasst eine langsame Trocknung bei niedrigen Temperaturen, um die Umwandlung zu maximieren und die ToxizitÀt zu reduzieren.

Nach dem Verzehr wird ein Teil der ĂŒbrigen IbotensĂ€ure im Verdauungstrakt zu Muscimol decarboxyliert.

CarbouĂ©, Q., & Lopez, M. (2021). Amanita muscaria: Ecology, chemistry, myths. Encyclopedia, 1(3), 905–914. https://doi.org/10.3390/encyclopedia1030069

 

Amanita-Pilze, die IbotensĂ€ure und Muscimol enthalten, werden allgemein als risikoarm eingestuft. Eine ÜberprĂŒfung der Fachliteratur hat jedoch gezeigt, dass in seltenen FĂ€llen Komplikationen auftreten können. Typischerweise Ă€ußern sich diese in HyperaktivitĂ€t, gefolgt von Bewegungsstörungen, die innerhalb von 24 Stunden vollstĂ€ndig abklingen.

Falls es zu seltenen Überreaktionen wie KrĂ€mpfen und Bewusstlosigkeit kommt, sollten Betroffene engmaschig ĂŒberwacht werden, bis die Symptome vollstĂ€ndig abgeklungen sind.

Meisel, E. M., Morgan, B., Schwartz, M., Kazzi, Z., Cetin, H., & Sahin, A. (2022). Two cases of severe Amanita muscaria poisoning. Wilderness & Environmental Medicine, 33(4), 412–416. https://doi.org/10.1016/j.wem.2022.06.002

 

Durch die schonende Trocknung des Fliegenpilzes wird sichergestellt, dass möglichst viel IbotensĂ€ure in Muscimol umgewandelt wird. Dieser Prozess erfolgt bei niedrigen Temperaturen ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum, um die psychoaktive Wirkung zu verstĂ€rken und gleichzeitig die unerwĂŒnschten Effekte zu minimieren.

Ein Vorteil der Pulverform liegt in der gleichmĂ€ĂŸigen Verteilung der aktiven Wirkstoffe. Durch die Homogenisierung bleibt die Zusammensetzung des Pulvers so konstant wie möglich, was eine prĂ€zisere Dosierung und eine zuverlĂ€ssige Wirkung gewĂ€hrleistet. Auf diese Weise werden saisonale Schwankungen ausgeglichen und eine gleichbleibende QualitĂ€t sichergestellt.

Erfolgreiche Mikrodosierung gegen Depressionen, Angst, Schlafstörungen

Eine Frau Anfang dreißig, die unter Depressionen, AngstzustĂ€nden und Schlafstörungen litt, die durch ein komplexes Trauma in ihrer Kindheit verursacht worden waren, experimentierte auf Anraten eines Traums mit der „Mikrodosierung“ oder psycholytischen Dosierung von Amanita muscaria (Fliegenpilz) Pilzen. WĂ€hrend eines 3,5-monatigen Zeitraums mit einem auf Intuition basierenden, allmĂ€hlich abnehmenden Dosierungsschema gingen ihre Symptome deutlich zurĂŒck. Es wurden keine unerwĂŒnschten Wirkungen beobachtet. HĂ€matologische Untersuchungen ergaben keine AuffĂ€lligkeiten, deuteten aber auf eine leichte Verbesserung der Leberfunktion hin, die möglicherweise auf das Abklingen der mit dem Zuckerkonsum verbundenen sĂŒchtigen Verhaltensmuster und die hepatoprotektive Wirkung von Muscimol zurĂŒckzufĂŒhren ist. 

Turkia, M. (2023, November 7). Psycholytic dosing or 'microdosing' of Amanita muscaria (red fly agaric) mushrooms—A retrospective case study. https://doi.org/10.31234/osf.io/dve46

Kultur, Geschichte & weiteres

Die Faszination, die von diesem Pilz ausgeht, ist jedoch nicht neu und nicht nur auf kulinarische Zwecke beschrĂ€nkt; der menschliche Konsum reicht Tausende von Jahren zurĂŒck und hat religiöse sowie spirituelle Überzeugungen beeinflusst, insbesondere in neolithischen sibirischen Gesellschaften. Die symbolische Anziehungskraft des Fliegenpilzes auf unsere kollektive Vorstellungskraft zeigt sich in zahlreichen Darstellungen, Mythen und Legenden. Beispiele hierfĂŒr sind „Alice im Wunderland“, „Super Mario“ und die Installationen des deutschen KĂŒnstlers Carsten Höller.

CarbouĂ©, Q., & Lopez, M. (2021). Amanita muscaria: Ecology, chemistry, myths. Encyclopedia, 1(3), 905–914. https://doi.org/10.3390/encyclopedia1030069

 

Obwohl er im rohen Zustand als giftig gilt, wird er in verschiedenen Regionen, darunter Italien und Mexiko, dennoch als Speisepilz verzehrt.

Rubel, W., & Arora, D. (2008). A study of cultural bias in field guide determinations of mushroom edibility using the iconic mushroom, Amanita muscaria, as an example. Economic Botany, 62, 223–243. https://doi.org/10.1007/s12231-008-9040-9

 

Es gibt zahlreiche traditionelle Zubereitungsmethoden. In Japan wird der Pilz beispielsweise getrocknet, zwölf Wochen in Salzlake eingelegt und anschließend mehrfach gespĂŒlt, bevor er verzehrt wird.

Whelan, C. (1994). Amanita muscaria: The gorgeous mushroom. Asian Folklore Studies, 53, 163. https://doi.org/10.2307/1178564

 

Halluzinogene Pilze haben eine besonders lange Geschichte im Zusammenhang mit Menschen. Höhlenmalereien in Tassili n’Ajjer (Algerien) aus dem Jahr 3500 v. Chr. zeigen tanzende Figuren mit Pilzen in den HĂ€nden.

Wieczorek, M. (2014). The effect of particular active substances of hallucinogenic mushrooms. Acta Universitatis Lodziensis. Folia Biologica et Oecologica, 10, 40–48. https://doi.org/10.2478/fobio-2014-0014

 

WĂ€hrend der Antike wurde der Fliegenpilz in Mysterienkulten wie den Dionysischen Mysterien in Griechenland und den Mithras-Mysterien in Rom als entheogene Substanz genutzt.

Ruck, C. A. P., Hoffman, M. A., & Gonzålez Celdrån, J. A. (2011). Mushrooms, myth, & Mithras: The drug cult that civilized Europe. City Lights Books. ISBN 978-0-87286-470-2

 

In Sibirien war der Fliegenpilz ĂŒber Jahrtausende das einzige bekannte Rauschmittel und wurde sowohl religiös als auch zur Unterhaltung konsumiert.

Lee, M., Dukan, E., & Milne, I. (2018). Amanita muscaria (Fly Agaric): From a shamanistic hallucinogen to the search for acetylcholine. Journal of the Royal College of Physicians of Edinburgh, 48, 85–91. https://doi.org/10.4997/jrcpe.2018.1

 

Schamanen verwendeten ihn in Trance-Ritualen, um mit Geistern zu kommunizieren.

Nyberg, H. (1992). Religious use of hallucinogenic fungi: A comparison between Siberian and Mesoamerican cultures. Karstenia, 32, 71–80. https://doi.org/10.29203/ka.1992.294

 

Interessanterweise scheidet der Körper einen Großteil der IbotensĂ€ure sowie des Muscimols unverĂ€ndert im Urin aus. Deshalb bestand in einigen sibirischen Kulturen die Tradition, den Urin eines Schamanen oder eines Rentiers, das Fliegenpilze gefressen hatte, zu trinken, um eine mildere Wirkung zu erzielen.

Michelot, D., & Melendez-Howell, L. M. (2003). Amanita muscaria: Chemistry, biology, toxicology, and ethnomycology. Mycological Research, 107, 131–146. https://doi.org/10.1017/S0953756203007305

 

Die Theorie, dass Wikingerkrieger (Berserker) Fliegenpilze konsumierten, um in einen Kampfrausch (Berserkergang) zu geraten, wird heute als widerlegt angesehen. Viel wahrscheinlicher ist, dass dafĂŒr Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), eine Pflanze mit den Wirkstoffen Hyoscyamin und Scopolamin, verantwortlich war.

Fatur, K. (2019). Sagas of the Solanaceae: Speculative ethnobotanical perspectives on the Norse berserkers. Journal of Ethnopharmacology, 244, 112151. https://doi.org/10.1016/j.jep.2019.112151

Gehirn-Schutzwirkung

Muscimol zeigt vielversprechende Schutzwirkungen fĂŒr das Gehirn, indem es die durch NMDA-Rezeptor-Aktivierung verursachte neuronale SchĂ€digung reduziert. In Studien konnte Muscimol die durch NMDA induzierte Freisetzung von Laktatdehydrogenase (LDH) signifikant verringern und somit das Ausmaß der neuronalen Verletzung mindern. Diese schĂŒtzende Wirkung wird durch die Stimulation von GABAA-Rezeptoren vermittelt, was auf das Potenzial von Muscimol hinweist, bei der Behandlung von NervenschĂ€den und neurodegenerativen Erkrankungen hilfreich zu sein.

Ohkuma, S., Chen, S. H., Katsura, M., Chen, D. Z., & Kuriyama, K. (1994). Muscimol prevents neuronal injury induced by NMDA. The Japanese Journal of Pharmacology, 64(2), 125–128.

Die Ergebnisse einer weiteren Studie legen nahe, dass Muscimol durch die Aktivierung von GABA-Rezeptoren in spezifischen Gehirnregionen die Übererregbarkeit der Neuronen verringert und so einen signifikanten Schutz vor den neurotoxischen Effekten von NMDA-Antagonisten bietet. Besonders wirksam ist es im anterioren Thalamus, dem diagonalen Band von Broca und dem RSC.

Farber, N. B., Jiang, X., Dikranian, K., & Nemmers, B. (2003). Muscimol prevents NMDA antagonist neurotoxicity by activating GABA_A receptors in several brain regions. Brain Research, 993(1–2), 90–100. https://doi.org/10.1016/j.brainres.2003.09.002

DMT

Bufotenin (5-Hydroxy-N,N-dimethyltryptamin) wurde ebenfalls in verschiedenen Studien nachgewiesen. Strukturell ist diese Verbindung eng mit Psilocin (der aktiven Form von Psilocybin) verwandt, einem halluzinogenen Tryptamin aus Pilzen. Bufotenin ist ein Agonist von Serotonin an 5-HT-Rezeptoren.

Debnath, B., Singh, W. S., Das, M., Goswami, S., Singh, M. K., Maiti, D., & Manna, K. (2018). Role of plant alkaloids on human health: A review of biological activities. Materials Today Chemistry, 9, 56–72. https://doi.org/10.1016/j.mtchem.2018.05.001

Parkinson und Tremor

Muscimol als potenzieller therapeutischer Wirkstoff bei Tremor und Parkinson
Muscimol wird in mehreren Studien als vielversprechend bei der UnterdrĂŒckung von Tremor, einschließlich der Behandlung von Parkinson-Tremor, beschrieben. Bei Patienten mit essentiellen Tremor fĂŒhrt der Einsatz von Muscimol zu einer effektiven TremorunterdrĂŒckung, ohne die Sprache oder Bewegungskoordination zu beeintrĂ€chtigen. Auch bei Parkinson-Patienten zeigt sich eine signifikante Reduktion der motorische Symptome wie Tremor, Bradykinesie und RigiditĂ€t.

DarĂŒber hinaus zeigt Muscimol in In-vitro-Modellen starke antioxidative und neuroprotektive Eigenschaften. Es schĂŒtzt Zellen vor NeurotoxizitĂ€t und könnte somit ein vielversprechendes therapeutisches Mittel gegen Parkinson-Tremor sowie fĂŒr die neuroprotektive Behandlung von degenerativen Erkrankungen sein.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass GABA-Analoga wie Muscimol therapeutisch gegen Tremor eingesetzt werden könnten.

Kondeva-Burdina, M., Voynova, M., Shkondrov, A., Aluani, D., Tzankova, V., & Krasteva, I. (2019). Effects of Amanita muscaria extract on different in vitro neurotoxicity models at sub-cellular and cellular levels. Food and Chemical Toxicology, 132, 110687. https://doi.org/10.1016/j.fct.2019.110687

Levy, R., Lang, A. E., Dostrovsky, J. O., Pahapill, P., Romas, J., Saint-Cyr, J., Hutchison, W. D., & Lozano, A. M. (2001). Lidocaine and muscimol microinjections in subthalamic nucleus reverse parkinsonian symptoms. Brain, 124(10), 2105–2118. https://doi.org/10.1093/brain/124.10.2105

Pahapill, P. A., Levy, R., Dostrovsky, J. O., Davis, K. D., Rezai, A. R., Tasker, R. R., & Lozano, A. M. (1999). Tremor arrest with thalamic microinjections of muscimol in patients with essential tremor. Annals of Neurology, 46(2), 249–252. https://doi.org/10.1002/1531-8249(199908)46:2<249::AID-ANA15>3.0.CO;2-C

Neuroprotektive und Antioxidative Effekte

Amanita muscaria  weist mit anderen Pilzen die stÀrksten antioxidativen Effekte auf. Diese antioxidativen Eigenschaften sind besonders relevant bei der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson, bei denen oxidativer Stress eine Rolle bei der Degeneration von Nervenzellen spielt.

 

Ein Extrakt des Fliegenpilzes mit hoher Muscimol-Konzentration zeigt starke antioxidative Eigenschaften aufgrund seines hohen Gehalts an Tocopherolen – hauptsĂ€chlich Îł-Tocopherol und ÎŽ-Tocopherol – sowie AscorbinsĂ€ure.

Reis, F. S., Heleno, S. A., Barros, L., Sousa, M. J., Martins, A., Santos‐Buelga, C., & Ferreira, I. C. (2011). Toward the antioxidant and chemical characterization of mycorrhizal mushrooms from Northeast Portugal. Journal of Food Science, 76(6), C824–C830. https://doi.org/10.1111/j.1750-3841.2011.02251.x  

Diese antioxidativen Effekte werden auch in vivo berichtet und zeigen schĂŒtzende Effekte auf eine menschliche Neuroblastom-Zelllinie, die oxidativen Agenzien ausgesetzt wurde.

CarbouĂ©, Q., & Lopez, M. (2021). Amanita muscaria: Ecology, chemistry, myths. Encyclopedia, 1(3), 905–914. https://doi.org/10.3390/encyclopedia1030069

Anti-EntzĂŒndungen

Muscimol, ein aktiver Bestandteil des Fliegenpilzes (Amanita muscaria), könnte als entzĂŒndungshemmendes Mittel wirken, insbesondere bei ZustĂ€nden wie Sepsis oder endotoxischer EntzĂŒndung. Es beeinflusst wichtige EntzĂŒndungsmediatoren, schĂŒtzt vor den negativen Auswirkungen von systemischen EntzĂŒndungen und verbessert die Überlebensrate in einem Tiermodell. Dies könnte neue therapeutische Möglichkeiten fĂŒr entzĂŒndliche Erkrankungen bieten.

Li, Y.-H., Hsu, D.-Z., Liu, C.-T., Chandrasekaran, V. R. M., & Liu, M.-Y. (2022). The protective effect of muscimol against systemic inflammatory response in endotoxemic mice is independent of GABAergic and cholinergic receptors. Canadian Journal of Physiology and Pharmacology, 100(7), 665–678. https://doi.org/10.1139/cjpp-2021-0682

GABA-Effekt zur Hemmung von Tumor-und Krebswachstum

GABA ist dafĂŒr bekannt, durch seine Wechselwirkung mit GABAA-Rezeptoren die Zellproliferation im Nervensystem, in peripheren Organen und in Tumorgeweben zu hemmen.

Young, S. Z., & Bordey, A. (2009). GABA’s control of stem and cancer cell proliferation in adult neural and peripheral niches. Physiology, 24(3), 171–185. https://doi.org/10.1152/physiol.00002.2009

Muscimol zeigte in einer Studie zudem einen interessanten Effekt bei der Verlangsamung der Magenkarzinogenese.

Tatsuta, M., Iishi, H., Baba, M., Uehara, H., Nakaizumi, A., & Taniguchi, H. (1992). Protection by muscimol against gastric carcinogenesis induced by N‐methyl‐Nâ€Č‐nitro‐N‐nitrosoguanidine in spontaneously hypertensive rats. International Journal of Cancer, 52(6), 924–927. https://doi.org/10.1002/ijc.2910520616

BĂŒcher ĂŒber Fliegenpilz-Mikrodosierungen

Innerhalb eines kurzen Zeitraums von neun Monaten, vom Herbst 2022 bis zum FrĂŒhjahr 2023, wurden drei verschiedene BĂŒcher ĂŒber die Mikrodosierung des psychoaktiven Fliegenpilzes (Amanita muscaria) veröffentlicht. Diese plötzliche Vermehrung von BĂŒchern ĂŒber ein sehr spezifisches Thema dĂŒrfte die meisten ĂŒberraschen, aber sie offenbart den Höhepunkt eines seit langem anschwellenden Interesses sowohl an der Praxis der Mikrodosierung als auch am A. muscaria-Pilz selbst, der sowohl psychoaktiv als auch legal ist. Jedes der BĂŒcher ist fĂŒr ein Laienpublikum geschrieben, mit der Absicht, dem Leser eine Grundlage fĂŒr das VerstĂ€ndnis dieses Pilzes zu geben und was es bedeutet, ihn nach einem Mikrodosierungsschema oder -protokoll zu verwenden. Diese Rezension enthĂ€lt eine individuelle Bewertung jedes Buches sowie einen Gesamtvergleich der drei BĂŒcher.

Feeney, K. (2023). On microdosing with the Mario mushroom. Journal of Psychedelic Studies, 7(2), 151–154. https://doi.org/10.1556/2054.2023.00303